Jean Thiriart der Ideologe der Nation Europa - Nation Europa und Geopolitik

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Jean Thiriart der Ideologe der Nation Europa

deutsch

Jean-Francois Thiriart war ein Theoretiker der Geopolitik, der für die Schaffung eines Groß-Europas plädierte, anfangs in den Grenzen von Brest nach Bukarest, später dann in den Grenzen von Reykjavik nach Wladiwostok im östlichen Sibirien.

Er wurde 1922 in Lüttich in Belgien geboren, in seiner Jugend kämpfte er in Gruppierungen der extremen Linken und in „Amis du Grand Reich Allemand“, die die Vereinigung Europas befürwortete. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er wegen Kollaboration mit Deutschland drei Jahre im Gefängnis. Danach widmete er sich seinem Beruf als Optiker. In den 60er Jahren schloss er sich im Zusammenhang mit der Entkolonialisierung des Kongo dem „Mouvement d’Action Civique“ an, der für den Verbleib der Europäer in Afrika kämpfte und Beziehungen zur OAS der Franzosen in Algerien unterhielt. Im Jahr 1962 nahm er für den MAC an einem Treffen in Venedig teil, zu dem neben den Belgiern auch Repräsentanten von Rechtsaußen-Parteien aus Italien, Deutschland und Großbritannien (Oswald Mosley) erschienen. Diese hatten die Absicht, eine national-europäische Partei zu gründen, die gegen die USA gerichtet sein würde. Die Partei kam aber nie zustande. 1963 transformierte Thiriart den MAC in „Jeune Europe“, eine europäische transnationale Bewegung unter dem Zeichen des Keltenkreuzes. 1964 veröffentlichte er sein Hauptwerk „Un Empire de quatre cents milliones d’hommes, l’Europe“ und 1965 folgte „la Grande Nation“. Er hatte Kontakte nach China, Jugoslawien, Rumänien, Irak, Ägypten und zum palästinensischen Widerstand. 1969 löste sich „Jeune Europe“ auf, und Thiriart widmete sich wieder seinem Beruf. In den 70ern, als sich die USA China annäherten, schlug Jean Thiriart eine europäisch-sowjetische Allianz gegen die Achse China-USA vor, mit dem Ziel ein Groß-Europa von Reykjavik nach Wladiwostok zu erschaffen. Ab 1981 schrieb er wieder über Europa, 1991 unterstützte er die Gründung der Europäischen Befreiungsfront, für die er nach Moskau reiste. 1992 starb er an einem Herzinfarkt.       

In seinen Werken „Un Empire de quatre cents milliones d’hommes, l’Europe“ und „la Grande Nation“ (dt.: „das Vierte Reich Europa“) kämpfte er zu allererst für die Schaffung eines vereinigten Europa von Brest nach Bukarest ein, denn ohne eine solche Vereinigung gebe es keine Unabhängigkeit. Um ein solches Europa zu erschaffen, strebte er den Aufbau eines europäischen Nationalismus an, der sich aus der Gleichheit des gewollten gemeinsamen Schicksals ergebe, nicht aus der Gleichheit der Abstammung, der Rasse. Diejenigen, die diese Vereinigung umsetzen sollten, sollten die Mitglieder der national-europäischen Bewegung sein, einer zentralisierten und hierarchischen Partei nach leninistischem Vorbild. Diese würde als Modell für den zukünftigen europäischen Staat dienen. Das Europa, das Thiriart wollte, war ein unitarisches, nicht ein Europa der Vaterländer oder ein föderalistisches Europa, so dass es keine Gefahr der Sezessionen mehr gebe. Um ihre Unabhängigkeit und das globale Gleichgewicht zu garantieren, müsste die Nation Europa bewaffnet sein, auch mit eigenen Atomwaffen. Da die Bücher in der Mitte der 60er Jahre geschrieben wurden, ist die Besetzung Europas durch die Sowjetunion und die USA während des Kalten Krieges ein wichtiges Thema. Thiriart setzte sich für den Kampf gegen die Besetzung ein, nach dem Vorbild der Aufstände von Ost-Berlin 1953 und Budapest 1956. Und außerdem befürwortete er die Vereinigung Ost- und Westeuropas. Was die NATO betrifft, so sei sie eine Streitmacht der Besetzer, die es hinauszuwerfen gelte. Das politische System Europas sollte eine direkte Demokratie sein, eine hierarchische und nicht-parlamentarische. Im Bereich der Wirtschaft wollte Thiriart eine Art Sozialismus aufbauen, den er Kommunitarismus nannte und der drei Hauptelemente umfasste: Erstens keine Ausbeutung der Arbeit, aber freies Unternehmertum mit Wettbewerb und Selektion, zweitens keine Einmischung der Wirtschaft in die Politik und drittens keine Kollaboration mit ausländischen Interessen. Um die beiden letzen Aspekte in die Tat umzusetzen, sah er die Verstaatlichung der größten oder wichtigsten Industrien vor. Die Voraussetzung zum Aufbau eines solchen Kommunitarismus sei die Unabhängigkeit Europas, für die die Autarkie und die Macht in europäischem Ausmaß notwendig seien. Schließlich war das Europa, das er wollte, kein Europa der Schwätzer, der Bankette und der Juristen, da diese weder Enthusiasmus noch Patriotismus in den Massen hervorrufen könnten, sondern ein Europa der Kämpfer und Revolutionäre.       
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